DMSG berichtet über das Coimbraprotokoll

DMSG berichtet über das Coimbraprotokoll

Ich traue kaum meinen Augen: Die deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft berichtet über den Nutzen von hochdosiertem Vitamin D als Zusatztherapie bei MS. Und informiert sogar relativ ausführlich und wohlgesonnen über das Coimbraprotokoll. Ein paar Fakten im Artikel der DMSG sind nicht 100% korrekt, aber was soll´s. So wird bsp. geschrieben, dass Tagesdosen „bis zu 60.000 ie“ zum Einsatz kommen. Das stimmt nicht ganz, es sind tatsächlich in Abhängigkeit von den individuellen Körperparametern und Blutwerten des jeweiligen Patienten eher noch sehr viel höhere Dosierungen üblich.
Auch werden zahlreiche Studien zu Vitamin D verlinkt, die leider alle mit deutlich zu niedrigen Tagesdosierungen gearbeitet haben (z.B. die SOLAR-Studie aus 2016). Und meistens wurde auch noch parallel mit einem Immunsuppressivum gearbeitet, das die immunmodulierende Wirkung von Vitamin D hemmt. Ich vergleiche das gerne damit, dass man einen Ferrari mit angezogener Handbremse fährt, und sich später beschwert: „So toll ist der nun auch wieder nicht!“
Zitat aus dem Artikel der DMSG: „Mehrere andere Studien, die Effekte von Vitamin D als Ergänzungstherapie untersucht haben, haben zudem keinen Effekt der Vitamin-D-Supplementation beobachten können (z. B. (19), so dass sich zusammenfassend sagen lässt, dass Studien mit Dosierungsbereichen von bis zu 14.000 IE pro Tag und Therapiedauern von bis zu 96 Wochen bislang keinen eindeutigen Nutzen, aber auch keinen Schaden von Vitamin D als Ergänzungstherapie nachweisen konnten. Randomisierte kontrollierte Studien sind daher notwendig, um die Wirkung von Vitamin D in der Therapie der MS zu klären.“
Das Herumreiten auf randomisierten Doppelblindstudien geht leider wieder mal Thema vorbei: Bei einer stark individualisierten Therapie, deren Dosierung an den persönlichen Parametern der Patienten angepasst wird, kann man schlecht eine randomisierte Studie durchführen. Im übrigen ist die als „Goldstandard der medizinischen Forschung“ gelobte randomisierte Doppelblindstudie eine reine Erfindung der Pharmaindustrie, die von sehr vielen schlauen Köpfen kritisch hinterfragt wird. Und dieses Studienmodell kam noch nie zum Einsatz, wenn es um den individuellen Ausgleich eines Nährstoff- oder Hormondefizites geht. So wurde beispielsweise die Anwendung von Insulin bei Kindern mit Diabetes Typ I nie doppelblind getestet. Trotzdem ist es selbstverständlich, dass man einem Kind mit Diabetes kein Insulin vorenthält. Und jeder, der sich kritisch mit dem Gesundheitswesen auseinandersetzt, wird sofort verstehen, warum eine millionenteure randomisierte Studie so wie so niemals finanziert wird: Eine solche Investition nehmen lediglich Pharmafirmen vor, die sich später ein Vielfaches an Gewinn durch den Verkauf patentierbarer, teurer Medikamente versprechen. Und Vitamin D ist in seiner natürlich vorkommenden chemischen Zusammensetzung nicht patentierbar…

No Comments

Post A Comment