Wie wird „Erfolg der Behandlung“ beim Coimbraprotokoll definiert?

Wie wird „Erfolg der Behandlung“ beim Coimbraprotokoll definiert?

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen fragen: „Wird Symptom xy besser durch das Coimbraprotokoll?“ Diese Frage beinhaltet einen Verständnisfehler über die Wirkung des Coimbraprotokolls. Es ist kein „Symptome-Wegmacher“, wie wir es von pharmakologischen Mitteln wie z.B. Kopfschmerztabletten kennen.

Was die korrekte individuelle Vitamin D Tagesdosis kann, ist
– Modulierung des Immunsystems
– Reduzieren von Entzündungen
– eine gewisse Anregung von Zellneubildung.

Dadurch werden zwei wichtige Ziele erreicht:
1.) Stopp der Autoimmunerkrankung
2.) Teilweise Heilung der jüngsten Läsionen / Schäden an körpereigenen Gewebestrukturen, die ca. in den 12-18 Monaten unmittelbar vor Beginn der Behandlung entstanden sind.

Manche Menschen setzen sich durch unrealistische Erwartungen an die Behandlung fürchterlich unter Druck oder beenden völlig frustriert die Behandlung, wenn sich ein Symptom nicht bessert, was bei einem anderen Patienten durch das Coimbraprotokoll behoben wurde. Das ist sehr schade, denn dadurch nehmen sie sich die Chance, in Remission zu bleiben, und riskieren eventuell ein Fortschreiten der Erkrankung.

Ich zitiere hier Dr. Coimbra, der gefragt wurde, welche Erfolge z.B. Patienten mit Multipler Sklerose erwarten können: „Wir definieren es als Erfolg, wenn Patienten keine Krankheitsaktivität mehr haben (was nur im MRT klar zu sehen ist). Denn das bedeutet, dass die Krankheit nicht mehr weiter fortschreiten wird. Und jene Symptome oder Behinderungen, die nicht wesentlich älter sind als ein Jahr, zurückgerechnet ab Beginn der Behandlung, diese neueren Symptome oder Behinderungen können sich noch vollständig zurückbilden.“

Dr. Coimbra sagt, dass viele Patienten bereits nach einem Monat einen signifikanten Rückgang ihrer Fatigue erleben. Für alle anderen Symptome kann keine allgemein gültige Aussage getroffen werden, denn jeder Patient ist anders, jeder Verlauf ist anders, jeder Körper hat seine individuelle Heilungschance und Regenerationskraft, die von Faktoren wie Dauer der Erkrankung, Alter des Patienten, Comorbiditäten und / oder gesunder Lebensführung abhängt. Vergleichen mit anderen kann hier nur zu Frustration führen!

Es macht auch keinen Sinn, den Erfolg der Behandlung daran zu messen, ob es jemandem dauerhaft stabil gut geht. Das kann je nach Ausprägung der Erkrankung und der Symptome vor Beginn der Behandlung sehr verschieden sein und sich auch nach Erreichen der Remission von Tag zu Tag unterscheiden. Ich erlebe z.B. auch heute nach zwei Jahren der erfolgreichen Behandlung immer noch Symptome, die ich seit vielen Jahren habe, und diese werden deutlich schlimmer, wenn ich müde bin, mich überlaste, oder andere Erkrankungen wie Erkältung o.ä. im Spiel sind. Natürlich bin ich um ein Vielfaches belastbarer und habe an Kraft und Stabilität gewonnen. Manche Menschen auf Facebook denken, dass ich wieder völlig gesund sei – das stimmt nicht und ist eine unrealistische Erwartung nach 17 Jahren MS! Ich hatte mit Sicherheit riesengroßes Glück im Unglück: Direkt in den zwei Jahren vor Beginn der Behandlung mit dem Coimbraprotokoll eskalierte mein Verlauf und ich hatte 2-3 Schübe pro Jahr, die innerhalb kürzester Zeit schwere Behinderungen mit sich brachten. So heftig meine Gesundheit und mein Gesamtzustand den Bach hinunter gingen im Jahr vor der Behandlung, so signifikant besser wurde mein Zustand auch durch das Coimbraprotokoll. Aber das lag im wesentlichen an dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns: Hätte ich erst ein Jahr später begonnen, so könnte ich heute vermutlich meine Arme und Beine kaum noch nutzen und würde vermutlich ohne Rollator oder Rollstuhl nicht mehr weit kommen.

Ein weiteres Zitat von Dr. Coimbra, entnommen aus einem Interview mit einem anderen Arzt der ihn fragte, wie die Erfolge im Coimbraprotokoll definiert werden:
„Wenn Sie einen Patienten behandeln, der zwar schon etliche Schübe hatte, aber bisher immer noch vollständigen Rückgang von Symptomen erlebte, dann wird der Patient bei Behandlung mit dem Vitamin D Protokoll in Zukunft einfach symptomfrei bleiben.

Wenn Ihr Patient bereits mehrere Schübe hatte, von denen die ersten noch komplett ausheilten, aber die jüngsten unmittelbar im Jahr vor Behandlungsbeginn haben einige bleibende Behinderungen hinterlassen, dann werden diese Behinderungen, die nicht älter als ein Jahr sind, noch verschwinden und der Patient hat ein vollkommen normales beschwerdefreies Leben, genau wie der erste erwähnte Patient.

Patienten, die ältere Symptome haben, die deutlich länger als ein Jahr dauerhaft bestanden haben, werden vermutlich mit diesen älteren Behinderungen weiter leben müssen. Aber sie werden ab Behandlungsbeginn keine neuen Symptome bekommen bzw. werden jene Symptome, die innerhalb der ein Jahres Grenze aufgetreten sind, sich noch vollständig zurückbilden. Sie werden sich also noch von neueren Symptomen erholen. Ältere Behinderungen werden in der Regel bestehen bleiben, aber sie werden keine neuen Symptome mehr entwickeln.
Alle diese Verläufe definieren wir als 100% Erfolg. Wir schätzen, dass 95% der Patienten 100% Erfolg erleben. 5% der Patienten haben noch gelegentlich leichte Entzündungsaktivität und leichtes Aufflackern älterer Symptome, die bereits längerfristig dauerhaft vorhanden waren.

Gelegentlich kommt es zum Rückgang von Symptomen, die deutlich älter als ein Jahr waren, und wenn das eintritt, ist es ganz wunderbar, aber das ist ein Bonus, der immer mal wieder auftritt, aber es ist eher die Ausnahme und nicht die Regel.“

Ich hoffe, dass sich niemand entmutigt fühlt durch meinen Post, der auf einen Rückgang eines älteren Symptoms gehofft hat. Es kommt vor, ich habe z.B. auf beiden Ohren seit über fünf Jahren starken Tinnitus gehabt, der auf einer Seite komplett verschwunden ist, und auf dem anderen Ohr nur noch bei Müdigkeit oder Stress hörbar ist.
Niemand sollte die Hoffnung aufgegeben und sich über jede Verbesserung freuen! Aber unrealistische Erwartungen setzen auch unter Druck. Das Coimbraprotokoll ist wunderbar, aber keine Wunderheilung.

3 Comments
  • Karin aus Mönchengladbach
    Posted at 13:03h, 13 Mai Antworten

    Oh wunderschön geschrieben, liebe Christina. Ich wünsche mir das es alle Facebook-Neulinge und cp´ler im Allgemeinen verinnerlichen müssten, indem sie es einfach mal in Ruhe lesen. So könnten viele unrealistische Erwartungen aus der Welt geschafft werden.

  • Joanna Hakuba
    Posted at 15:11h, 25 September Antworten

    Hallo.
    Ich habe vor ca. 3 Wochen die Diagnose Morbus Addison bekommen und bin noch ganz neu im Thema der Autoimmunerkrankungen. Moment schwanke ich noch sehr zwischen Überforderung und Hoffnung. Auf der einen Seite finde ich kaum Informationen zu Morbus Addison, auf der anderen bin stimmen mich all die Infos über das Coimbra-Protokoll sehr zuversichtlich (ich bin schon dabei es möglichst zu verbreiten).
    Meine Frage, liebe Frau Kiening: gibt es irgendwelche Erfahrungen mit dem Coimbra-Protokoll im Zusammenhang mit Morbus Addison? Ich wäre Ihnen unglaublich dankbar über eine Antwort. Oder einen Hinweis an wem ich mich wenden könnte.
    Vielen lieben Dank

    • Christina Kiening
      Posted at 21:52h, 26 September Antworten

      Liebe Frau Hakuba, habe gerade mal in der Facebookgruppe zum Coimbraprotokoll nach dem Stichwort Morbus Addison gesucht, leider bisher kein Erfahrungsbericht auf deutsch vorhanden.
      Da ich am Wochenende bei einem Kongress mit vielen erfahrenen Protokollärzten inklusive Dr. Cicero Coimbra selbst bin, frage ich gerne nach Erfahrungen und schreibe Ihnen im Laufe der kommenden Woche.

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