Lifestyle & Ernährung

Neben einer allgemeinen gesunden Ernährung gehören zum Coimbraprotokoll zwingend folgende Maßnahmen:

  • Einhalten einer calciumarmen Diät (Verzicht auf Milchprodukte)
  • Tägliches Trinken von mindestens 2,5 Litern Flüssigkeit (idealerweise ungesüßter Tee, Saftschorle oder Wasser)
  • Sport: Mindestens dreimal wöchentlich mind. 30 Minuten
  • Stressprävention / Fähigkeit zur Selbstberuhigung

Wozu dienen diese Maßnahmen?

Bei der dauerhaften Anwendung von hohen Dosen Vitamin D kann es ohne die genannten Maßnahmen zu zwei Nebenwirkungen kommen: Kurzfristig zur Hypercalcämie (einem Überschuss an Calcium im Blut und in den Nieren), langfristig zu gesteigertem Knochendichteverlust durch das Absenken des PTH-Spiegels. Die calciumarme Diät und das regelmäßige Trinken sind eine Art doppeltes Sicherheitsnetz gegen die Hypercalcämie.

 

Der regelmäßige Sport regt den Knochenstoffwechsel an und ist die beste Maßnahme zum Erhalt der Knochendichte bis ins hohe Alter. Auch die tägliche Einnahme von mindestens 400 – 600 mg elementarem Magnesium ist ein Bestandteil des Coimbraprotokolls, was u.a. auch der Knochendichte dient.

 

Stressprävention dient dazu, ein hormonelles Überschießen des Immunsystems zu verhindern. Wenn wir innerlich eine Situation als überfordern und nicht zu bewältigen einschätzen, kommt es zu einer Ausschüttung von Stressbotenstoffen. Damit geht zwangsläufig eine Erhöhung von Entzündungswerten im But und Gehirn und eine Überaktivierung des Immunsystems einher. Ist der Patient noch nicht stabil auf seine optimale Dosis Vitamin D eingestellt, also noch nicht in Remission, kann es durch diesen Effekt zu einem Schub der Autoimmunerkrankung kommen. Dieser Effekt wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen, bereits im Jahr 1989 finden sich Veröffentlichungen dazu.

Was ist Hypercalcämie und wie entsteht sie?

Bei Anwesenheit von großen Mengen Vitamin D im Blut und einer Absenkung des Parathormonspiegels (PTH) wird quasi „Tür und Tor geöffnet“ für die Aufnahme von Calcium aus dem Darm in den Blutkreislauf. Dieser Effekt ist in kleinen Mengen hilfreich und wird u.a. gezielt zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose genutzt.

Bei der Behandlung mit dem Coimbraprotokoll kommen jedoch dauerhaft Ultrahochdosen zum Einsatz, die den Calciumspiegel im Blut massiv ansteigen lassen würden bei Nichtbeachtung der Diät. In der Folge kann es zur Hypercalcämie mit lebensbedrohlichen Folgen kommen. Kurzfristig kann Hypercalcämie unangenehme, aber noch harmlose Symptome auslösen wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit, Schlappheit der Muskeln, unstillbaren Durst, Verstopfung und Erbrechen. Da jedoch auch die Muskelkontraktion und der Herzrhythmus über Calcium im Blut gesteuert werden, kann es bei bestehender Vorerkrankung zu schweren Herzrhythmusstörungen kommen.

Ein weiterer Effekt von zuviel Calcium im Blut ist die Senkung des Parathormonspiegels (PTH). Da PTH jedoch unser wichtigster Wert zum Finden einer korrekten Tagesdosis Vitamin D ist, werden die Werte verfälscht bei zu hoher Calciumaufnahme aus der Nahrung. Der Arzt denkt, dass PTH durch eine ausreichend große Tagesmenge Vitamin D gesenkt wurde und der Patient auf dem Weg zur Remission ist. In Wirklichkeit wurde PTH jedoch durch zuviel Calcium im Blut gesenkt.

Langfristig könnte die dauerhafte Einnahme hoher Dosen Vitamin D auch zu Nierenproblemen führen, wenn die Diät- und Trinkvorschriften nicht eingehalten werden. Da das Gleichgewicht von Calcium im Blut so immens wichtig zur Steuerung des Herzens ist, kämpft der Körper quasi darum, den Calciumwert immer in einem schmalen Grenzbereich zu halten. Wird zu viel Calcium über die Nahrung aufgenommen, muss der Überschuss im Urin gelöst und über die Nieren ausgeschieden werden. Wenn dauerhaft zu viel Calcium in zu wenig Wasser (sprich: Urin) gelöst werden muss, kann das Nierengewebe geschädigt werden. Wenn dieser Zustand über viele Jahre anhält kann es entweder zur Bildung von Nierensteinen kommen oder sogar das Nierengewebe derart geschädigt werden, dass der Patienten dauerhaft dialysepflichtig wird. Patienten müssen daher unbedingt von ihrem Arzt über die Wichtigkeit der begleitenden Maßnahmen calciumarme Diät und ausreichende Trinkmenge hingewiesen werden! Ist ein Patient nicht zur dauerhaften Einhaltung dieser Maßnahmen fähig und bereit, kann er nicht mit dem Coimbraprotokoll behandelt werden.

Was ist Hypocalcämie und wie kann ich das verhindern?

Wie so oft im Leben ist das richtige Maß entscheidend, auch beim Calcium in der Nahrung. Manche Menschen haben nach dem Lesen der Gefahren von Hypercalcämie solchen Respekt, dass sie jedes Nahrungsmittel übergenau auf Calciumgehalt prüfen und strikt vermeiden. Das kann wiederum dazu führen, dass sie zu wenig Calcium mit der Nahrung aufnehmen. Dann kommt es zur Hypocalcämie (zu wenig Calcium im Blut). Wie wir gelernt haben, ist die Einhaltung eines schmalen Korridors von Calcium im Blut wichtig, um u.a. den Herzmuskel steuern zu können. Somit kann auch zuwenig Calcium im Blut Herzrhytmusstörungen verursachen.

Bleibt der Calciumgehalt im Blut dauerhaft zu niedrig, beginnt der Körper auf lange Sicht, sich das Calcium aus den Knochen und Zähnen zu holen. Es kommt zu einem Knochendichteverlust, und nach einigen Jahren kann so Osteoporose begünstigt werden.

Um Hypocalcämie und Knochendichteverlust zu verhindern, sind zwei „Sicherheitsnetze“ im Coimbraprotokoll eingebaut:

  1. Die Überwachung der Blut- und Urinwerte durch einen geschulten Arzt, der bei Bedarf eine Veränderung der Ernährung einfordern würde.
  2. Regelmäßiger Sport, der Zug, Druck und Erschütterung auf die Knochen auslöst (z.B. schnelles Walken, Vibraplate oder Minitrampolin). Das regt den Knochenstoffwechsel an und ist laut Forschung die beste Maßnahme zum Erhalt der Knochendichte (wirksamer als Bisphosphate oder andere pharmakologische Maßnahmen (siehe auch: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4440196/ und http://www.osd-ev.org/osteoporose-therapie/osteoporose-bewegung-sport/index.php)

Warum gehört Stressprävention zum Coimbraprotokoll?

Wenn unser Gehirn etwas als überfordern oder bedrohlich einschätzt, reagiert es mit einem uralten Instinkt: Es bereitet den Körper auf eine Gefahrensituation vor, in der er mit Flucht oder Kampf reagieren muss. Wir bemerken dann eine Zunahme von Blutdruck und Herzschlag und haben ein Gefühl des „Alarmiert Seins“. Es wird die Muskulatur angespannt, vor allem im Rücken- und Kieferbereich. Dazu werden Botenstoffe und Hormone ausgeschüttet, die u.a. das Immunsystem überreagieren lassen und bei langfristiger Einwirkung Entzündungen im Gehirn begünstigen. Wenn der Körper länger oder häufiger in diesem Zustand verbleibt kann das einen Entzündungsschub von Autoimmunerkrankungen begünstigen. Gerade in den ersten Monaten der Behandlung mit dem Coimbraprotokoll ist noch kein ausreichender Vitamin D Spiegel vorhanden, um eine vollständige Remission zu erreichen. Es kann also noch zu Schüben kommen.

Zusätzlich gibt es Forschungsergebnisse die zeigen, dass Dauerstress, Angst und Depressionen zu Entzündungen im Gehirn führen. Am besten untersucht ist dies im Falle von Depressionen. In der Folge kommt es zum Abbau von Hirnmasse, ähnlich wie es bei MS-Patienten nach langjährigem Verlauf im MRT zu beobachten ist. Diesen Zusammenhang hat Dr. Coimbra ebenfalls beobachtet bei Parkinson-Patienten. Er therapiert auch Parkinson mit erhöhten Tagesdosen Vitamin D (20.000 ie / pro Tag) und hohen Magnesiumgaben (siehe auch seine Stellungnahme zum Thema Magnesium und Stress).

Dr. Coimbra weist seine Patienten immer wieder eindringlich darauf hin, dass sie  innere Stressreaktionen vermeiden sollten bzw. Methoden erlernen sollten, um sich innerlich zu beruhigen, also „herunter zu fahren“ in Stresssituationen. Dazu eignen sich einfache Entspannungsmethoden, die am besten unter Anleitung gelernt und dann durch regelmäßiges Üben in den Alltag eingebaut werden (z.B. Tiefe Bauchatmung, Körperachtsamkeit, MBSR, progressive Relaxation oder Bewusstheitsübung nach Dipl. Psych. Christian Meyer). Eine erste Hilfestellung können auch geführte Meditationen oder sog. bilitaral stimulierende Entspannungsmusik von CD bieten.

                  

Es gibt Studien darüber, dass Menschen mit Autoimmunerkrankungen überdurchschnittlich häufig emotionale Traumata in der Kindheit erlebt haben. Neben einer Veränderung des Gehirnstoffwechsels und überbordender Ausschüttung von Stresshormonen fehlt es Betroffenen oft auch an adäquater Selbstberuhigungsfähigkeit. Hier ist eine begleitende Psychotherapie hilfreich, um neue Bewältigungsstrategien und Selbstberuhigungsfähigkeit zu erlernen.

Was ist unter Sport zu verstehen?

Der Sport dient im wesentlichen dazu, die Knochendichte zu erhalten. Durch ein Absenken des Parathormons und krankheitsbedingte Immobilität kann es zu einem stärkeren Abbau von Knochensubstanz kommen. Um das zu verhindern, muss der Knochen regelmäßig belastet werden. Druck, Zug und Erschütterung sind die wesentlichen Faktoren, um den Knochenstoffwechsel anzuregen und die Einlagerung von Calcium und Magnesium anzuregen. Optimal ist das Training mit einer Vibraplate oder einem Minitrampolin. Auch die Verwendung von sog. Swingsticks und Vibrationshanteln eigenen sich hervorragend. Preiswert und einfach auf Reisen sind Therabänder. Optimal ist es, sich täglich 30 Minuten zu bewegen. Neben der Stärkung des Knochenstoffwechsels dient regelmäßiger Sport auch der Entspannung und senkt Entzündungsparameter im Körper.

 

                        

Mein Fitnesstudio im Wohnzimmer: Das Trimilin Minitrampolin von Heymans und die Skandika 900 Vibraplate. Der Oberkörper wird einfach und effektiv trainiert mit Therabändern.

 

Zu Beginn der Therapie sind viele Patienten noch sehr erschöpft und schwach und fühlen sich überfordert von der Anforderung, mehr Sport zu treiben. Solange die Erkrankung noch aktiv ist und die Wirkung des Vitamin D noch nicht voll anschlägt, ist weiterhin ein achtsamer Umgang mit den eigenen Reserven angesagt. Viele Patienten berichten jedoch davon, dass sie schon nach 2-3 Wochen einen enormen Anstieg an Energie verspüren und damit auch die „Lust an der Bewegung“ wiederkehrt. Hier lautet die Empfehlung: Soviel wie möglich ist, ohne sich zu erschöpfen. Sobald die korrekte Tagesdosis gefunden und der Vitamin D Spiegel ausreichend aufgefüllt ist, dauert es nur noch 3-6 Monate, bis die Remission eintritt. Ab diesem Moment beginnt ein Rückgang jüngst entstandener Symptome, Energie und Kraft nehmen zu, und mehr Training ist möglich.