Das Coimbraprotokoll im Überblick

Was ist das Coimbraprotokoll?

Das Coimbraprotokoll beschreibt eine ärztlich begleitete orthomolekulare Therapie, die hochdosiertes Vitamin D gegen Autoimmunerkrankungen einsetzt.

Dabei wird „nicht die Krankheit XY behandelt, sondern das Immunsystem wird in sein natürliches Gleichgewicht zurückgebracht, indem eine genetisch bedingte Vitamin-D-Verwertungsstörung ausgeglichen wird“, so Dr. Coimbra.

Unserer Erfahrung nach spricht jedes Autoimmungeschehen zu einem gewissen Grad auf die Ultra Hochdosistherapie an. Einige Nahrungsergänzungsmittel, Stressprävention und Ernährungsanpassung unterstützen den Erfolg.

Wie entstand das Coimbraprotokoll?

Der brasilianische Arzt Dr. Cicero G. Coimbra entwickelte diese Ultra Hochdosistherapie ab 2002 in seiner Praxis mit Patienten und richtete seine universitäre Forschung darauf aus.

Er entdeckte zufällig, dass unter höheren Vitamin-D-Gaben Autoimmunerkrankungen der Haut zum Stillstand kamen. Noch höhere Dosen konnten seinen Patienten mit verschiedenen anderen Autoimmunerkrankungen helfen. So entwickelte er bis 2009 eine effektive und gleichzeitig nebenwirkungsfreie Ultra Hochdosistherapie, die sich als „Coimbraprotokoll“ etabliert hat.

Warum ist Vitamin D so wichtig?

Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin, sondern eine Hormonvorstufe, die das Immunsystem reguliert. Außerdem steuert es die Aufnahme von Kalzium und fördert dessen Einbau in Knochen und Zähne. Vitamin D beinflusst die körperliche Leistungsfähigkeit, den Hornonhaushalt und die Psyche. Es spielt eine wesentliche Rolle bei der Behandlung von Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen und in der Schwangerschaft.

Bevor Vitamin D das Immunsystem regulieren kann, muss es einige Schritte durchlaufen. Die biologisch inaktive Form von Vitamin D ist das Cholecalciferol, wie es durch UV-B-Sonnenlicht in unserer Haut gebildet und im Blut gemessen wird. Sie wird vor allem in Leber und Nieren enzymatisch in Calcitriol umgewandelt, die biologisch aktive Form. Calcitriol muss über den Vitamin-D-Rezeptor in die Zelle gelangen. Erst dort wirkt es regulierend auf Genexpression und Immunsystem.

Welche Rolle spielt Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen?

Dr. Coimbra spricht von einer „individuellen Vitamin-D-Resistenz“ bei Autoimmunerkrankungen, die sich durch Veränderungen an einzelnen Abschnitten der DNA erklären lässt. Diese sogenannten Einzelnukleotid-Polymorphismen stören Bildung, Umwandlung oder Verwertung von Vitamin D. Deshalb ist das Immunsystem nicht ausreichend mit aktiviertem Vitamin D versorgt, das es aber zu seiner Regulation dringend benötigt. Einerseits kann dies zu einer Abwehrschwäche führen, andererseits zu überschießenden Entzündungen, die autoimmune Prozesse begünstigen.

Dr. Coimbra fand heraus, dass individuell unterschiedlich hohe Tagesdosen an Vitamin D diese Verwertungsstörung überwinden können. Sobald ausreichend aktives Vitamin D (Calcitriol) in der Zelle ankommt, stabilisiert sich das Immunsystem. Es stoppt die Autoimmunreaktion und verstärkt die natürliche Abwehr gegen Krankheitserreger.

Wie läuft die Behandlung ab?

Anfangs finden die Termine beim ausgebildeten Protokollarzt im Abstand von drei und später sechs Monaten statt. Ab dem dritten Jahr genügt eine jährliche Kontrolluntersuchung, jeweils mit aktuellen Blut- und Urinwerten.

Diese Termine gewährleisten die Sicherheit des Patienten und dienen dazu, die korrekte individuelle Vitamin-D-Dosis zu finden, die für die optimale Wirkung und den schnellstmöglichen Stillstand der Erkrankung nötig ist. Wenn es zu ungewöhnlichen Veränderungen im Stoffwechsel kommen sollte, kann der Arzt dies frühzeitig erkennen und korrigieren, ehe Symptome auftreten.

Was sind Cofaktoren?

Der größte Teil der Wirkung des Coimbraprotokolls geht auf den Ausgleich der genetisch bedingten Verwertungsstörung von Vitamin D zurück. Der Körper benötigt bestimmte Nährstoffe, um Vitamin D enzymatisch in seine hormonell aktive Form umzuwandeln. Das sind die orthomolekularen Cofaktoren, besonders Magnesium und Vitamin B2. Weitere Ergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren, Chrom, Zink, Selen und Cholin helfen, Entzündungsprozesse zu reduzieren, die Immunfunktion zu normalisieren und den Zellstoffwechsel zu optimieren.

Ein anderer, nicht-stofflicher Cofaktor ist gutes Stressmanagement, da eine übermäßige Stressantwort des Gehirns und Hormonsystems auch die Regulation des Immunsystems stört.

Welche Anpassungen bei Ernährung & Lebensweise sind nötig?

Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme aus der Nahrung. Damit nicht zuviel Calium ins Blut gelangt, sind folgende Maßnahmen nötig:

  • Calciumreduzierte Diät: Verzicht auf Milchprodukte, Reduzierung von Nüssen und Samen, keine grünen Smoothies.
  • Tägliches Trinken von mindestens 2,5 Litern Flüssigkeit: Idealerweise calciumarmes Wasser, ungesüßter Tee.
  • Bewegung: 3-5 x wöchentlich mind. 30 Minuten leichter Ausdauersport wie Walken, Vibraplate, Springen auf einem Minitrampolin oder alternativ Muskeltraining.
  • Stressprävention / Fähigkeit zur Selbstberuhigung z.B. Meditation und ggf. Psychotherapie.

Wozu dienen diese Maßnahmen?

Die calciumarme Diät und das regelmäßige Trinken sind eine doppelte Absicherung gegen eine Hypercalcämie, die sonst bei hohen Vitamin-D-Dosen eintreten kann, wenn es in Blut und Urin zu einem Überschuss an Calcium kommt. Eine Hypercalcämie kann langfristig die Nieren schädigen.

Unter einer Ultra Hochdosistherapie steigt der Knochenstoffwechsel. Bewegung ist wichtig, damit es nicht zu Osteoporose kommt. Bei ausreichender Bewegung verbessert sich die Knochendichte.

Stress kann einen Schub der Autoimmunerkrankung auslösen, weil es zu einer Überaktivierung des Immunsystems mit erhöhten Entzündungswerten im Blut und Gehirn kommen kann.

Welche Wirkung hat die Behandlung?

Sobald individuelle Vitamin D-Dosierung erreicht ist, beginnt die optimale Regulation des Immunsystems: Autoimmunerkrankungen gehen in Remission. Es treten keine neuen Schübe oder Symptome auf und in bildgebenden Verfahren und im Blut ist keine erhöhte Entzündungsaktivität mehr nachweisbar.

Langfristig besteht außerdem die Chance, dass jüngere Schäden am Gewebe ausheilen: Vitamin D regt die Bildung neuer Haut-, Hirn- und Nervenzellen an. Jüngere Patienten mit kurzer Erkrankungsdauer erleben in der Regel eine vollständige Rückbildung von Symptomen und können fortan ein normales gesundes Leben führen.

Gibt es Nebenwirkungen?

Bei richtiger Anwendung und unter ärztlicher Überwachung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Da der Hormonstoffwechsel korrigiert wird, kann es in der Anfangsphase zu leichten Symptomen und hormonellen Schwankungen wie z.B. Veränderungen im weiblichen Zyklus kommen.

Bei falscher Anwendung kann die Ultra Hochdosistherapie aber zu schweren Nebenwirkungen wie Hyperkalzämie, Osteoporose oder Nierenschäden führen. Daher raten wir dringend davon ab, die Behandlung ohne die Begleitung eines zertifizierten Coimbraprotokoll-Arztes durchzuführen.

Wenn eine calciumarme Diät mit ausreichender Trinkmenge, Bewegung und Stressmanagement beherzigt werden, ist die Behandlung sicher und nebenwirkungsfrei.

Passt das Coimbraprotokoll zu mir?

Vor Beginn der Behandlung raten wir zu einem Coimbraprotokoll-Erstgespräch, das von langjährigen Patienten durchgeführt wird. Sie erklären die wichtigsten Bestandteile des Coimbraprotokolls und deren Umsetzung im Alltag. Außerdem unterstützen sie bei der Wahl des passenden Arztes. So gehen Patienten gut informiert zum Artzttermin, sparen Zeit und Kosten und können dort gezielt starten.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Laufende Ausgaben entstehen für Nahrungsergänzungen, hinzu kommen das Arzthonorar und Laborbefunde. Da die Behandlung mit dem Coimbraprotokoll rechtlich als bisher nicht wissenschaftlich erwiesene experimentelle Alternativtherapie gilt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen keine Kosten, private Zusatzversicherungen eventuell einen Teil.

Wie ist der rechtliche Rahmen?

Die orthomolekulare Therapie von Autoimmunerkrankungen mit individuell hochdosiertem Vitamin D ist bisher nicht wissenschaftlich anerkannt. Der behandelnde Arzt muss sich an die gesetzlichen Vorgaben der World Medical Association WMA für experimentelle Therapien halten (§ 37 der WMA Helsinki Erklärung) und gründlich über die Grundlagen der Therapie, zu erwartende Erfolge und mögliche Risiken aufklären. Patienten werden in der Regel aufgefordert, einen Behandlungsvertrag auf eigenen Wunsch und eigenes Risiko zu unterschreiben.

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