Im Überblick

Das CoimbraProtokoll

Was ist das Coimbraprotokoll?

Das Coimbraprotokoll beschreibt eine ärztlich überwachte Behandlungsmethode, bei der ultrahochdosiertes Vitamin D gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Unterstützt wird die Behandlung durch weitere Nahrungsergänzungsmittel und Stressprävention (Cofaktoren).
Ziel ist es, die bei Autoimmunerkrankungen bestehende Vitamin-D-Verwertungsstörung zu überwinden und ein stressbedingtes Überschießen des Immunsystems zu minimieren.

Der Behandlungsansatz stützt sich dabei auf die jahrzehntelange Erfahrung, mittlerweile 140 zertifizierter Ärzte weltweit, die im Jahr 2020 über 30.000 Patienten mit individuell angepassten Vitamin-D-Dosierungen behandeln. Da die Kosten der Behandlung von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden, müssen die Patienten für diese allerdings selbst aufkommen.

Hintergrund

Die Behandlung mit ultrahochdosiertem Vitamin D geht auf den brasilianischen Arzt Dr. Cicero G. Coimbra zurück. Dr. Coimbra ist Arzt für innere Medizin und Neurologie, Biochemiker und Professor an der staatlichen Universität Sao Paolo. Im Jahr 2002 entdeckte er durch Zufall, dass unter höheren Vitamin-D-Gaben (ab 20.000 IE/Tag) Autoimmunerkrankungen der Haut zum Stillstand kamen. In seinen anschließenden intensiven Recherchen in der Grundlagenforschung zu Vitamin D, ist er auf zahlreiche Studien und Wirkmechanismen gestoßen. Daraufhin untersuchte Dr. Coimbra, sowohl im Labor als auch an seinen Patienten mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen, die Gabe von noch höheren Vitamin-D-Dosierungen und entwickelte dabei schrittweise bis 2009 eine optimal effektive und gleichzeitig nebenwirkungsfreie Therapie, die sich mittlerweile von seinen Patienten als „Coimbraprotokoll“ etabliert hat.

Im Jahr 2013 veröffentlichte Dr. Coimbra gemeinsam mit seinem Forscherteam eine erste Studie zur Wirkung des Coimbraprotokolls bei Vitiligo und Psoriasis. Die Veröffentlichung einer weiteren Studie zur Wirkung bei Multipler Sklerose wurde ihm bis heute von Seiten der Universität untersagt. Hintergrund sind vermutlich die politischen und finanziellen Interessen der Pharmaindustrie, da allein MS-Medikamente pro Jahr weltweit ca. 25 Mrd. $ Jahresumsatz erzielen, Tendenz steigend.

Bisher konnten allein von Dr. Coimbra und seinem achtköpfigen Team über 6.000 Patienten mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandelt werden. Von 2012 – 2018 hat er über 140 Ärzte weltweit in der Behandlung des Coimbraprotokolls im Rahmen einer einwöchigen Hospitation in seiner Praxis in Saõ Paulo kostenlos geschult. Da er die Arbeitsbelastung durch ehrenamtliche Ausbildung parallel zu seiner p Tätigkeit, der Leitung einer großen Praxis, Forschung und Lehre an der Universität sowie Öffentlichkeitsarbeit für Vitamin D nicht mehr aufrechterhalten konnte, hat er die Hospitationsmöglichkeiten seit 2018 stark eingeschränkt.

Im deutschsprachigen Raum ist das Coimbraprotokoll durch die Initiative von Christina Kiening bekannt geworden. Sie profitiert als MS-Patientin selbst von der Behandlung und engagiert sich seit 2016 ehrenamtlich in der Verbreitung der Therapie. Durch ihr Engagement wurden bis 2019 insgesamt 27 Ärzte im deutschsprachigen Raum ausgebildet, welche bis zum Jahr 2020 bereits ca. 6.000 Patienten behandeln. Die ersten ausgebildeten deutschen Ärzte vernetzten sich gemeinsam mit Frau Kiening und bildeten die Grundlage für die Gründung der gemeinnützigen Coimbraprotokoll UG und einem Verein der zertifizierten Protokollärzte. Die Coimbraprotokoll gUG vertritt vor allem Patienteninteressen und wurde im Sommer 2019 gemeinsam mit Britta Maier-Peveling, einer weiteren Coimbra-Patientin, gegründet. Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie hier.

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Vitamin D

Vitamin D wird seit seiner Entdeckung, in den 1920 – 1930er Jahren, fälschlicherweise als Vitamin bezeichnet. Tatsächlich ist es jedoch eine wichtige Hormon-Vorstufe, welche den Aufbau vieler anderer Hormone steuert. Vitamin D ist unabdingbar für einen soliden Knochenaufbau, es steuert die Aufnahme von Kalzium und fördert dessen Einbau in die Knochensubstanz und die Zähne. Es ist eine Art Multitalent, das nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, den Aufbau von Knochengewebe und Sexualhormonen, das Immunsystem und die Psyche beeinflusst, sondern auch bei der Behandlung von Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen sowie während der Schwangerschaft eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Vitamin D existiert als Cholecaliciferol (biologisch inaktive Form, die in Verbindung mit Sonnenlicht in unserer Haut gebildet wird) und als Calcitriol (biologisch aktive Form, die in Leber und Niere aus der inaktiven Form enzymatisch umgewandelt wird). Jüngere Untersuchungen haben nachgewiesen, dass viele Organe wie z.B. das Gehirn, die Haut und das Immunsystem in der Lage sind, bei Bedarf ihr eigenes aktives Vitamin D zu bilden. Doch der Vitamin D Kreislauf ist sehr komplex und wird durch verschiedene Faktoren geregelt. Selbst führende Forscher wie Dr. Michael Holick sind der Meinung, dass bisher nur max. 25 % der Wirkung von Vitamin D entdeckt und verstanden wurde.

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Vitamin D und Autoimmunerkrankungen

Dr. Coimbra entwickelte die Theorie einer „individuellen Vitamin-D-Resistenz“ (in der Medizin ist seit langem die Vitamin-D-Resistenz bei der Knochenkrankheit Rachitis bekannt), da die benötigten Tagesdosen für seine Patienten untereinander stark abwichen. Inzwischen ist nachgewiesen, dass es eine genetisch bedingte Verwertungsstörung von Vitamin D gibt. Dabei kommt es durch Veränderungen an einzelnen Abschnitten der DNA zu Störungen in der Bildung, Umwandlung oder Verwertung von Vitamin D.

Um diese genetische Verwertungsstörung, die sich Einzelnukleotid Polymorphismus nennt, zu überwinden benötigen manche Menschen exorbitant hohe Tagesdosen an Vitamin D. Dadurch wird der Stoffwechsel von Vitamin D und die enzymatischen Stoffwechselvorgänge auf Zellebene wieder angeregt. Sobald ausreichend aktives Vitamin D (Calcitriol) in der Zelle ankommt, wird das Immunsystem wieder stabilisiert: Die Autoimmunreaktion wird gestoppt, während gleichzeitig die natürliche Immunabwehr gegen Krankheitserreger gestärkt wird. Solange der Betroffene genügend Calcitriol produziert, arbeitet das Immunsystem fehlerfrei.

Dr. Coimbra beschreibt, dass Menschen eine Autoimmunerkrankung entwickeln können, wenn mindestens drei Komponenten zusammentreffen:

  • eine genetisch bedingte Verwertungsstörung von Vitamin D vorliegt
  • daraus resultierend ein Vitamin-D-Mangel
  • Stress bzw. emotional belastende Faktoren

Damit erklärt sich, warum eine individuell ausreichend hohe Vitamin-D-Versorgung Autoimmunerkrankungen stoppen und sogar bis zu einem gewissen Grad die Heilung von geschädigtem körpereigenem Gewebe anregen kann.

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Behandlungsablauf

Vor Beginn der Therapie werden umfangreiche Untersuchungen angefordert, um eine gute „Grundgesundheit“ sicherzustellen, insbesondere im Bereich der Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nieren. Die Basisblutwerte dienen außerdem der späteren Anpassung der individuellen Vitamin D Dosis. Die genaue Liste der benötigten Werte kann sich je nach Art und Dauer der Erkrankung unterscheiden und wird vom Arzt nach Vereinbarung des Ersttermins zugesandt.

Mit den Ergebnissen der Basisuntersuchungen findet der Ersttermin beim zertifizierten Protokollarzt statt. Hier wird die Therapie ausführlich erklärt und es werden notwendige Anpassungen im Lebensstil und der Ernährung besprochen.

Häufig wird dieser praktische Teil der Aufklärung von geschulten Patientenbetreuern übernommen. Der Arzt legt dann nach einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung anhand von Blutbild, Art und Ausprägung der Krankheit sowie individueller Parameter wie Gewicht / Alter etc. eine Startdosis Vitamin D fest. Diese Dosis kann meistens noch keinen Stillstand der Autoimmunerkrankung bewirken, ist aber eine sichere Dosis, um sich an die individuelle Vitamin-D-Dosis heranzutasten. Bei sehr aggressiven Verläufen, einem akuten Schub und/oder der Gefahr dauerhafter Schäden wie Erblindung oder anderer Behinderung wird unter Umständen mit einer sehr hohen Anfangsdosis gearbeitet. Hier sind gegebenenfalls häufigere Kontrolluntersuchungen notwendig.

Im Normalfall benötigt man 4-6 Termine beim ausgebildeten Protokollarzt im Abstand von anfangs 3 Monaten, später alle 6 Monate und ab dem dritten Jahr sind nur noch jährliche Kontrolluntersuchungen notwendig. Zu den Kontrolluntersuchungen werden jeweils aktuelle Blut- und Urinwerte benötigt.

Diese Termine zur Kontrolluntersuchung haben zwei Ziele:

  • Die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten. Wenn es zu ungewöhnlichen Veränderungen im Stoffwechsel kommt, kann der Arzt dies frühzeitig erkennen und korrigieren, ehe Symptome auftreten
  • Die korrekte individuelle Dosis finden. Dadurch werden die optimale Wirkung und der schnellstmögliche Stillstand der Erkrankung angestrebt.

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Cofaktoren

Der größte Teil der Wirkung des Coimbraprotokolls geht auf den Ausgleich der oben genannten genetisch bedingten Verwertungsstörung von Vitamin D zurück. Um die enzymatische Umwandlung von Vitamin D in seine hormonell aktive Form sicher zu stellen, bedarf es weiterer Cofaktoren. Die wichtigsten sind Magnesium und verschiedene B-Vitamine, insbesondere Vitamin B2.

Zur Reduzierung von Entzündungsprozessen, Stabilisierung einer normalen Immunfunktion und Optimierung des Zellstoffwechsels werden weitere Nahrungsergänzungsmittel im Rahmen des Coimbraprotokolls in therapeutisch wirksamen hohen Dosen (je nach Schwere der Erkrankung)) eingesetzt. Diese sind: Omega3 Fettsäuren mit einem hohen Anteil von DHA und EPA, Chrom, Zink, Selen und Cholin.

Ein „nicht-stofflicher“, aber nicht minder wichtiger Cofaktor, ist die Regulation der Stressantwort des Gehirns und Hormonsystems. Patienten werden von ihren behandelnden Ärzten über die Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem aufgeklärt und bekommen Anregungen zum Erreichen seelischer Ausgeglichenheit. Häufig wird die Aufnahme einer Psychotherapie zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen empfohlen.

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Notwendige Anpassungen an Ernährung & Lebensweise

Neben einer allgemeinen gesunden Ernährung gehören zum Coimbraprotokoll zwingend folgende Maßnahmen:

  • Calciumreduzierte Diät: Verzicht auf Milchprodukte, Reduzierung von Nüssen und Samen, keine grünen Smoothies
  • Tägliches Trinken von mindestens 2,5 Litern Flüssigkeit: Idealerweise calciumarmes Wasser, ungesüßter Tee oder frische Saftschorle
  • Bewegung: 3-5 x wöchentlich mind. 30 Minuten leichter Ausdauersport wie Walken, Vibraplate, Springen auf einem Minitrampolin oder alternativ Muskeltraining
  • Stressprävention / Fähigkeit zur Selbstberuhigung z.B. Meditation und ggf. Psychotherapie

Das Thema Ernährung ist oft mit Verunsicherung verbunden, vor allem bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen. Die Frage „was versteht man unter gesunder Ernährung?“ ist schwer zu beantworten bzw. gibt immer wieder Anlass zu regelrechten Glaubenskriegen.

Es gibt nach unserer Recherche ein paar Eckpfeiler, die über verschiedene Schulen hinweg einen Konsens zum Thema gesunder Ernährung bilden:

  • Möglichst frische unverarbeitete Produkte
  • Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe (diese können das Immunsystem zusätzlich irritieren)
  • Wenig Alkohol, bevorzugt Wein oder Bier statt „harter“ Spirituosen
  • Hohe Dichte an Mikronährstoffen => viel frisches Gemüse und Obst
  • Reduzierung von / Verzicht auf Einfachkohlehydrate wie Zucker oder Weißmehl, da diese nachweislich entzündungsfördernd sind
  • Bevorzugt Produkte aus Bioanbau, nachhaltiger Tierhaltung und Bio-Aquakultur, um die Belastung mit Pestiziden, Antibiotika und Schwermetallen zu minimieren
  • Ausreichende Trinkmenge, nach Möglichkeit sauberes unbelastet Wasser

Die Evidenzlage ist außerdem relativ hoch für einen kompletten Verzicht auf tierische Milchprodukte. Es gibt zahlreiche Studien darüber, dass Milchprodukte hormonell aktiv im Körper wirken und dadurch Entzündungen fördern können. Außerdem ist ein Großteil der Weltbevölkerung (Nordeuropa 15%, Afrika und Asien ca. 95%) ab Beginn der Pubertät laktoseintolerant. Da im Coimbraprotokoll calciumhaltige Lebensmittel zwingend zu reduzieren sind, ist das Vermeiden tierischer Milchprodukte ein empfehlenswerter Schritt.

Zusätzlich bewegt beim Thema Ernährung immer mehr Menschen der offensichtlich negative Einfluss tierischer Produkte, vor allem aus Massentierhaltung, auf die Umwelt und das Klima. Auch das Mitleid gegenüber unseren tierischen Mitbewohnern führt manche Menschen zum Vegetarismus. Dr. Coimbra und zahlreiche andere Forscher halten jedoch eine rein vegane Ernährung bei Autoimmunerkrankungen wie z.B. der Multiplen Sklerose für ungünstig. Da die Myelinscheiden, das Gehirn und die Nerven überwiegend aus Protein und tierischen Fetten bestehen, ist zum Erhalt und Wiederaufbau zumindest ein kleiner Anteil von tierischem Protein in der Nahrung empfehlenswert. Auch unser Knochenstoffwechsel und die Muskulatur benötigen ein ausgewogenes Verhältnis von Aminosäuren, um stabil zu funktionieren. Bestimmte B-Vitamine kommen ebenfalls ausschließlich in tierischen Produkten vor. Eine rein vegane Ernährung muss sehr ausgewogen zusammengestellt werden und ggf. durch Aminosäurepräparate und zusätzliche Vitamin-Präparate ergänzt werden, um die optimale Heilung durch das Coimbraprotokoll sicher zu stellen.

Es gibt inzwischen etliche Studien, die einen positiven Einfluss einer ketogenen Diät bei neurologischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen nachweisen. Die ketogene Diät besteht klassisch aus hohem Fettanteil, einem ausgewogenen Anteil tierischem Eiweiß und sehr minimalem Kohlehydratanteil. Dabei wird der Stoffwechsel des Körpers umgestellt, so dass als Haupttreibstoff Fette statt Kohlehydrate verbrannt werden. In der Leber werden dabei sogenannte Ketonkörper produziert, die u.a. entzündungshemmend wirken, den Gehirnstoffwechsel stabilisieren und die Verbrennung von überschüssigem Körperfett anregen. Einige Coimbraprotokoll-Patienten haben diese Form der Ernährung für sich gewählt und berichten vor allem von gesteigerter Energie, mehr geistiger Klarheit und besserem Schlaf.

Das Coimbraprotokoll ist jedoch keine diätische Intervention wie die z.B. Wahls Diät oder das Autoimmunprotokoll. . Zwingend notwendig ist nur eine Reduzierung der Calciumaufnahme. Auch ist kein Verzicht auf Gluten oder Nachschattengewächse oder Linolsäure o.ä. notwendig. Lediglich bei bekannten Nahrungsmittelallergien sollte auf die identifizierten Allergene verzichtet werden. Dr. Coimbra hat beobachtet, dass nach Einstellung auf die individuell passende Vitamin D Dosis und Erreichen der Remission häufig auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien zum Stillstand kommen.

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Wozu dienen diese Maßnahmen?

Bei der dauerhaften Anwendung von hohen Vitamin D-Dosen, kann es ohne calciumarme Ernährung zur Hypercalcämie (Überschuss an Calcium im Blut und Urin) kommen, was langfristig die Nieren schädigen kann. Die calciumarme Diät und das regelmäßige Trinken sind eine Art doppeltes Sicherheitsnetz gegen die Hypercalcämie. Außerdem erfolgt vor allem im ersten Jahr der Therapie eine engmaschige Überwachung der Blut- und Urinwerte durch den Protokollarzt.

Langfristig kann es auf Grund gesteigerten Knochenstoffwechsels schneller zur Osteoporose kommen, wenn ausreichende Bewegung fehlt. Die gute Nachricht: Bei ausreichender Bewegung wird häufig eine Verbesserung der Knochendichte bei Patienten beobachtet. Regelmäßige Bewegung, bevorzugt mit Erschütterung sowie Zug und Druck auf den Knochen, regt den Knochenstoffwechsel an. Damit ist Bewegung die mit Abstand beste Maßnahme zum Erhalt der Knochendichte. Zudem regt sie die Neubildung und den Erhalt von Nerven- und Gehirnstrukturen an und baut Stresshormone und damit Entzündungen ab.

Um eine Verschlechterung der Knochendichte im Laufe der Therapie rechtzeitig zu bemerken und ggf. gegensteuern zu können, werden zu Beginn und später jährlich bzw. zweijährig Knochendichteuntersuchungen angefordert, sog. DEXA-Scans. Sollte auf Grund langfristiger Kortisoneinnahme oder einer selten genetischen Disposition ein zu schneller Abbau von Knochensubstanz bereits im jungen Alter vorhanden sein, kann der Protokollarzt rechtzeitig mit zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln und als letzte Maßnahme mit Medikamenten eingreifen.

Die dringend empfohlene Stressprävention dient dazu, ein hormonelles Überschießen des Immunsystems zu verhindern. Wenn wir innerlich eine Situation als überfordern und nicht zu bewältigen einschätzen, kommt es zu einer Ausschüttung von Stressbotenstoffen. Damit gehen zwangsläufig eine Erhöhung von Entzündungswerten im But und Gehirn und eine Überaktivierung des Immunsystems einher. Ist der Patient noch nicht stabil auf seine optimale Vitamin D-Dosis eingestellt, also noch nicht in Remission, kann es durch Stress zu einem Schub der Autoimmunerkrankung kommen. Dieser Effekt wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Es gibt jedoch auch sehr viele Veröffentlichungen, die den positiven Einfluss von Entspannungsübungen und/oder Achtsamkeitsmeditation auf die Reduzierung von Stresshormonen, Entzündungen und Schüben von Autoimmunerkrankungen nachweisen.

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Wirkung & Ziele der Behandlung

Durch die Optimierung des Zellstoff- und Hirnstoffwechsels sowie der Entgiftung kommen bei den meisten Patienten bereits in den ersten Monaten der Behandlung Entzündungen zum Stillstand. Dem Körper steht wieder mehr Energie zur Verfügung und depressive Verstimmungen sowie Schlafstörungen verbessern sich.

Nach Erreichen der individuellen Vitamin D-Dosierung beginnt die optimale Regulation des Immunsystems: Autoimmunerkrankungen kommen in Remission und sind danach in den meisten Fällen dauerhaft gestoppt. Es treten keine neuen Schübe oder Symptome auf und in bildgebenden Verfahren oder im Blut ist keine erhöhte Entzündungsaktivität mehr nachweisbar. Bei schubförmigen Erkrankungen wird dieser Zustand in der Regel 6-12 Monate nach Behandlungsbeginn erreicht. Langjährig erkrankte Patienten mit progredienten Verläufen müssen mit einer Behandlungsdauer von mindestens 12-24 Monaten rechnen bis die Erkrankung zum Stillstand kommt.

Bisher liegen Behandlungserfahrungen von bis zu 15 Jahren vor. Dr. Coimbra geht davon aus, dass Patienten mit Autoimmunerkrankungen ihr Leben lang eine hohe Vitamin D-Dosis und weiterer Cofaktoren benötigen, um dauerhaft in Remission zu bleiben. Oft kann jedoch nach 1-2 Jahren die Tagesdosis etwas reduziert werden, da es offensichtlich zu einer verbesserten Stoffwechselleistung kommt. Ungeklärt ist bisher, ob das Immunsystem nach langjähriger Behandlung womöglich die falsche Information „vergisst“, die zum Angriff körpereigenen Gewebes führt.

Langfristig besteht außerdem die Chance, dass jüngere Schäden am Gewebe ausheilen: Vitamin D regt die Bildung neuer Haut-, Hirn- und Nervenzellen an. Der Effekt, dass sich die nervenschützende Myelinschicht unter hohen Vitamin D Dosen regeneriert, wurde u.a. von der Universität Cambridge im Jahr 2014 im Tierversuch nachgewiesen. Selbst Patienten mit Hirn- oder Rückenmarksschäden durch Multiple Sklerose erleben dadurch sukzessiv einen Rückgang jüngerer Symptome. Insbesondere, wenn diese unmittelbar in den letzten 12-24 Monaten vor Beginn der Behandlung entstanden sind. Jüngere Patienten mit kurzer Erkrankungsdauer erleben in der Regel eine vollständige Rückbildung von Symptomen und können fortan ein normales gesundes Leben führen.

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Nebenwirkungen

Bei richtiger Anwendung und unter ärztlicher Überwachung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Da der Hormonstoffwechsel jedoch wieder in die optimale Form korrigiert wird, kann es in der Anfangsphase zu leichten Symptomen und hormonellen Schwankungen wie z.B. Veränderungen im weiblichen Zyklus kommen.

Die einzige potentielle Nebenwirkung ist bedingt durch eine veränderte Calciumaufnahme aus der Nahrung. Hohe Vitamin-D-Dosierungen führen dazu, dass das im Darm befindliche Calcium komplett ins Blut aufgenommen wird. Normalerweise wird die Aufnahme durch Rückkopplung hormoneller Regelkreisläufe begrenzt. Da diese jedoch beim Coimbraprotokoll außer Kraft gesetzt wird, besteht theoretisch die Gefahr einer Vitamin-D-Intoxikation (Hypercalcämie), durch die es je nach Schwere und Dauer des Zustandes zu Schäden an den Nieren kommen kann. Um das zu verhindern, ist zwingend die Begleitung eines zertifizierten Arztes („Protokollarzt“), die Einhaltung einer calciumarmen Diät sowie eine ausreichende Trinkmenge erforderlich.

Bei Einhaltung der genannten Maßnahmen, ist die Behandlung sicher und nebenwirkungsfrei. Seit Einführung der Therapie im Jahr 2002 sind keine Patienten dauerhaft zu Schaden gekommen. Weniger als 1 % aller behandelten Patienten hatten vorübergehende kritische Blutwerte, die allerdings meistens durch Diätfehler begründet werden konnten.

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Erstberatung durch Patientenbetreuer

Um sicher und erfolgreich zu sein, bedarf die Behandlung mit dem Coimbraprotokoll einiger Anpassungen im Lebensstil und der Ernährung. Patienten müssen willens und in der Lage sein, sich an diese Anpassungen zu halten. Ansonsten ist eine Behandlung nicht möglich.

Doch keine Sorge: Die Gründe für diese Anpassungen sowie die praktische Durchführung werden im Rahmen des Ersttermins ausführlich erklärt. Einige Protokollärzte arbeiten mit unseren Gründerinnen Christina Kiening und Britta Maier-Peveling in ihrer Funktion als Therapeutinnen und Gesundheitsberaterinnen zusammen. Sie gestalten die Aufklärung leicht verständlich und praxisnah und geben ihre eigene langjährige Erfahrung als Patientinnen weiter. Neben ihrer vertieften Kenntnis des Coimbraprotokolls haben beide einen Ausbildungshintergrund im Gesundheitswesen wie Ernährungsberatung, Bewegungstherapie oder Psychotherapie und bieten seit vielen Jahren begleitende Therapien für chronisch Kranke an. Da die Stundensätze der Patientenbetreuerinnen niedriger sind als das übliche Arzthonorar, werden durch diese Zusammenarbeit auch die Kosten für den Patienten gesenkt.

Und wenn Du noch unsicher bist, ob die Behandlung für Dich in Frage kommt, kannst Du die Möglichkeit einer persönlichen Vorabinformation per Telefon oder Skype mit einem Patientenbetreuer buchen.

Bitte melde Dich zur Terminvereinbarung per E-Mail:
Christina.Kiening@coimbraprotokoll.de oder Britta.Maier-Peveling@coimbraprotokoll.de

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Kosten

Die Behandlung mit dem Coimbraprotokoll gilt rechtlich als bisher nicht wissenschaftlich erwiesene experimentelle Alternativtherapie. Die Kosten werden daher nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zusatzversicherungen für privatärztliche Alternativtherapien erstatten zum Teil die Kosten.
Folgende Kosten fallen ungefähr an:

  • Privatärztliches Honorar, in der Regel € 200 – 300 pro Stunde.
    Es gibt Unterschiede in Abhängigkeit von Region und Facharzt- oder Professorentitel sowie Erfahrung des Arztes. Die Dauer der Termine ist ebenfalls sehr unterschiedlich: Der Ersttermin dauert ca. 1,5 – 3 Stunden, da hier aus Rechtsgründen eine sehr ausführliche Aufklärung und Dokumentation stattfinden muss. Um die Kosten für den Patienten zu verringern und praxisnah aufzuklären, arbeiten einige der Protokollärzte mit geschulten Patientenbetreuern zusammen. Die Folgetermine sind in der Regel sehr viel kürzer und entsprechend günstiger.
  • Laborkosten, ca. € 85 – 250 pro Untersuchung.
    Je nach Umfang der benötigten Blut- und Urinwerte, Art der Erkrankung, Komorbiditäten und Labor, sehr unterschiedlich. Bitte vorab beim behandelnden Arzt erfragen, welche Werte unabdingbar notwendig sind, welche zusätzlich empfohlen werden und warum und ob ein bestimmtes Labor empfohlen wird.
  • Nahrungsergänzungsmittel, ca. € 120 – 200 pro Monat.
    Die Kosten variieren nach Auswahl der Präparate und Bezugsquellen. Es wird dringend empfohlen, auf Qualität und den weitest gehenden Verzicht von Füll- und Hilfsstoffe zu achten. Manche Ärzte verkaufen eigene Nahrungsergänzungsmittel, die zwar qualitativ hochwertig, jedoch meist deutlich teurer sind, als der Kauf qualitätsgeprüfter Produkte im Internet. Wir haben eine Liste mit Produktempfehlungen zusammengestellt mit den Präparaten, die wir selbst verwenden.
  • Weitere Untersuchungen: In Abhängigkeit der zu Grunde liegenden Erkrankung und eventueller Komorbiditäten können weitere Untersuchungen notwendig sein (z.B. ausführliches immunologisches Blutbild bei rheumatischen Erkrankungen oder MRT bei Multipler Sklerose).
  • In der Regel wird vor Beginn der Behandlung und jeweils einmal pro Jahr zur Kontrolle eine Knochendichtemessung angefordert (sog. DEXA-Scan). Hintergrund ist, dass sowohl die permanente Entzündungsaktivität einer Autoimmunerkrankung, als auch die häufig angewandte Behandlung mit Kortison, sowie jahrelanger Vitamin D Mangel und krankheitsbedingter Bewegungsmangel zu einem Knochendichteverlust beitragen.
  • Auch eine ausführliche Voruntersuchung der Nierenfunktion inkl. Ausschluss von Nierensteinen per Ultraschall wird vor Beginn der Behandlung und im weiteren Verlauf jährlich empfohlen.

Es lohnt die Nachfrage beim behandelnden Facharzt oder Hausarzt, ob ein Teil der notwendigen Untersuchungen auf Rezept verordnet und über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden kann.

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Rechtlicher Rahmen

Die orthomolekulare Therapie von Autoimmunerkrankungen mit Hilfe von individuellen Ultrahochdosen Vitamin D ist bisher nicht wissenschaftlich anerkannt. Daher muss der behandelnde Arzt sich sehr streng an die gesetzlichen Vorgaben der World Medical Association WMA für experimentelle Therapien halten. Der Rechtsrahmen ist in § 37 der WMA Helsinki Erklärung festgelegt und dient im Wesentlichen der Sicherheit des Patienten. Dies erfordert u.a. die sehr gründliche Aufklärung des Patienten über die Grundlagen der Therapie, zu erwartende Erfolge und mögliche Risiken, sowie die ausführliche schriftliche Dokumentation. Patienten werden nach erfolgter Aufklärung in der Regel vom Arzt aufgefordert, einen Behandlungsvertrag auf eigenen Wunsch und eigenes Risiko zu unterschreiben.

Da die Ultrahochdosis Vitamin D – Therapie bei falscher Anwendung zu schweren Nierenschäden führen kann, raten wir dringen davon ab die Behandlung ohne die Begleitung eines entsprechend geschulten und zertifizierten Arztes durchzuführen.

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